Was im Beruf ungesagt bleibt und warum das zählt
- 12. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Wie unterscheiden sich Kommunikation, Entscheidungsfindung und berufliche Erwartungen in Österreich und der Ukraine, und welche Rolle spielt interkulturelle Kompetenz im Arbeitsalltag? Diesen Fragen widmete sich ein Workshop des Safawi Instituts am 12. Mai in Wien.
Wer schon einmal in einem internationalen Team gearbeitet hat, kennt das Gefühl: Man redet aneinander vorbei, ohne zu wissen warum. Die Worte stimmen, die Absicht auch, und trotzdem entsteht Reibung. Wenn direkte Aussagen als unhöflich empfunden werden, obwohl Klarheit gemeint war, oder wenn Schweigen als Zustimmung interpretiert wird, obwohl es Skepsis signalisiert, sind das keine Ausnahmen, sondern alltägliche Realität in binationalen Teams. Genau diesen Momenten widmete sich der Workshop.
Geleitet wurde er von Yaryna Eliash, Kommunikationsexpertin mit einem Werdegang, der sie von der Ukraine über internationale Organisationen bis in ihre heutige Position bei der Erste Group in Wien geführt hat, wo sie die Kommunikationsagenden für zentraleuropäische Märkte verantwortet. Dass sie beide Seiten aus eigener Erfahrung kennt, macht ihren Blick auf interkulturelle Unterschiede besonders präzise. Es ist kein theoretisches Wissen, sondern eines, das im Alltag erprobt wurde. Der Workshop war bewusst interaktiv konzipiert. Anstatt Kulturunterschiede abstrakt zu benennen, wurden sie anhand realer Beispiele greifbar gemacht, eine Methode, die nicht nur informiert, sondern die eigene Wahrnehmung schärft.
„Missverständnisse entstehen selten aus mangelndem Willen, sondern aus unterschiedlichen Annahmen darüber, was als selbstverständlich gilt."
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Konzept der kontextbewussten Kommunikation, also der Fähigkeit, nicht nur das Gesagte zu hören, sondern auch den Kontext zu verstehen, in dem es geäußert wird. Im österreichischen Geschäftsleben, das häufig von indirekter Kommunikation und formalisierten Strukturen geprägt ist, bedeutet das etwas anderes als im ukrainischen Kontext, der vielfach direkter, zugleich aber auch hierarchiebewusster ist. Für viele Teilnehmende war der Workshop weniger eine Analyse der anderen als vielmehr eine Reflexion über die eigenen kulturell geprägten Annahmen: darüber, was als selbstverständlich gilt, was als professionell empfunden wird und wie mit Autorität oder Kritik umgegangen wird. Das Safawi Institut setzt mit solchen Formaten auf einen Ansatz, der über bloße Wissensvermittlung hinausgeht. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen interkultureller Dialog nicht nur möglich, sondern produktiv wird.














