Bewerben mit Recruiter-Blick: Worauf es bei Lebenslauf und Vorstellungsgespräch wirklich ankommt
Achtzig Bewerbungen für eine einzige offene Stelle: Worauf achtet man zuerst? Mit dieser Frage begann der Workshop „Erfolgreich bewerben“, den das Safavi Impact Institute am Mittwoch, 4. November, mit 20 Teilnehmerinnen veranstaltete. Für sie hieß das, die Perspektive zu wechseln und den Bewerbungsprozess einmal von der anderen Seite des Schreibtisches zu betrachten.
Geleitet wurde der Workshop von Yvonne Bauer. Sie arbeitet seit 20 Jahren im Recruiting und hat mehrere tausend Vorstellungsgespräche geführt. Heute ist sie HR-Verantwortliche in einem Cybersecurity-Unternehmen und Vorsitzende von Women4Cyber Austria. Bereits bei der Fachkonferenz des Instituts im Juni hatte sie im Panel „Employer Reality Check“ beschrieben, wo internationale Profile im Auswahlprozess hängen bleiben. Diesmal ging es um die praktische Seite: Was kann jede Bewerberin selbst tun, damit ihr Profil gelesen und verstanden wird?
Passung statt Perfektion
Schon die Einstiegsübung zeigte, worauf es ankommt. In Zweiergruppen sammelten die Teilnehmerinnen, was bei einer Bewerbung einen guten ersten Eindruck hinterlässt. Yvonne Bauer fasste das Ergebnis so zusammen: Nicht Perfektion zählt, sondern erkennbare Passung. Recruiter prüfen, ob Erfahrung und Kompetenzen zu den Aufgaben passen. Sie achten darauf, ob Fähigkeiten mit Beispielen belegt sind, ob die Motivation nachvollziehbar ist und ob die Unterlagen klar und sorgfältig wirken. Die Aufgabe der Bewerberin ist deshalb schnell formuliert: Sie soll es dem Gegenüber leicht machen, ihre Eignung zu erkennen.
Von Aufgaben zu Ergebnissen
Wie das im Lebenslauf gelingt, besprach die Gruppe an konkreten Beispielen. Bewährt haben sich ein Kurzprofil von zwei bis vier Zeilen und eine Gliederung, die mit der aktuellen Position beginnt. Dabei gilt: Relevanz vor Vollständigkeit. Vor allem aber sollen Bewerberinnen nicht nur Tätigkeiten aufzählen, sondern zeigen, was sie bewirkt haben. Aus „Kundenbetreuung“ wird dann „rund 50 Bestandskunden eigenständig betreut“. Die Formel dafür lautet: Tätigkeit plus Verantwortung plus Ergebnis, möglichst mit einer Zahl oder einem Beispiel.
Gerade für Frauen, deren ukrainische Berufsbezeichnung in Österreich keine direkte Entsprechung hat, ist dieser Schritt entscheidend. In Kleingruppen verglichen die Teilnehmerinnen zwei Lebensläufe aus Recruiter-Sicht. Danach prüfte jede ihre eigenen Unterlagen und notierte drei konkrete Verbesserungen.
Die eigene Geschichte in 90 Sekunden
Im zweiten Teil stand das Vorstellungsgespräch im Mittelpunkt. Wer sich vorstellt, soll nicht den Lebenslauf vorlesen, sondern in 60 bis 90 Sekunden einen beruflichen roten Faden erzählen. Diese kurze Geschichte beantwortet vier Fragen: Wer bin ich heute beruflich? Welche Erfahrung bringe ich mit? Worin bin ich besonders stark? Und warum interessiert mich genau diese Stelle?
Für Fragen nach schwierigen Situationen oder Konflikten lernten die Frauen die STAR-Methode kennen: Situation, Aufgabe, Handlung, Ergebnis. Damit lassen sich Antworten klar gliedern und mit Beispielen belegen. Ebenso wichtig sind eigene Fragen an das Unternehmen, etwa danach, was in den ersten sechs Monaten erwartet wird oder woran der Erfolg in der Position gemessen wird.
Anschließend wurde geübt. In Zweiergruppen führten die Teilnehmerinnen Interviews, abwechselnd als Recruiterin und als Bewerberin. Danach gaben sie einander Feedback nach der Regel: konkret, wertschätzend, umsetzbar. Zwischendurch blieb Raum für Fragen aus der eigenen Bewerbungspraxis.
Zum Schluss formulierte jede ihren nächsten konkreten Schritt für die kommende Bewerbung. Denn ein kleiner, konkreter Schritt ist wirksamer als ein perfekter Plan, wie Yvonne Bauer betonte. Ein guter Lebenslauf öffnet die Tür, ein überzeugendes Gespräch macht den Unterschied.
Der Workshop ist Teil der arbeitsmarktorientierten Angebote des Safavi Impact Institute, die Sprachkompetenz, Bewerbungsvorbereitung und individuelle Karriereberatung miteinander verbinden.


